Die dritte Glocke · Kapitel 2 von 2
Der Name auf der Karte
Mira Abendstern · RP-Fanfiction
Haldren kam mit Schlamm bis zu den Knien zurück. Ich zeigte ihm den Abdruck. Er betrachtete ihn lange, stellte dann einen Stuhl vor die Tür und setzte sich darauf. Sein Schwert blieb quer über seinen Beinen. Erst jetzt erzählte er mir, dass der erste Händler seit elf Jahren tot war.
Der zweite ebenfalls. Beim dritten Namen schwieg er. Ich erinnerte mich an einen höflichen Mann in einem abgetragenen Mantel und daran, dass sein Pferd den Kopf nie gehoben hatte. Er hatte mir den Weg beschrieben, ohne auf die Karte zu schauen. „Er wollte, dass ich einen Brunnen nachtrage“, sagte ich.
Wir gingen bei Tagesanbruch, wenn man dieses graue Aufhellen so nennen wollte. Zwei weitere Wachen begleiteten uns. Unter den Dornen des alten Pfades fanden wir frische Hufspuren. Hinter der Kapelle stand tatsächlich ein Brunnen. An seiner Winde hing ein kleiner messingener Schlüssel.
Haldren nahm ihn nicht. Er hielt nur die offene Hand darunter. „Der Schlüssel zu unserem Haus“, sagte er schließlich. „Mein Bruder hatte ihn, als er verschwand.“ Die jüngere Wache wich einen Schritt zurück. Ich holte mein Zeichenbuch hervor, weil meine Hände etwas Gewöhnliches tun mussten.
Unten im Brunnen klang etwas gegen Stein. Dreimal. Haldren kniete sich an den Rand. Ich griff nach seinem Mantel, noch bevor ich wusste weshalb. Im Wasser spiegelten sich vier Laternen, obwohl wir nur drei trugen. Die vierte bewegte sich langsam nach oben. Diese Stelle auf meiner Karte hat noch keinen Namen.
Fortlaufende Chronik – hier endet das bisherige Manuskript.